Das Trotzkopfkind

Ja, wir sind angekommen. Angekommen in der lieben Trotzphase.
Das Sommerkind weiß mit ihren zwei Jahren ganz genau, was sie will und was nicht. Und ja, sie will!

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Immer öfter kommt es nun vor, dass kind einen Wutausbruch bekommt. Am liebsten dann, wenn andere Menschen in der Nähe sind.
Kennt ihr das? Solange niemand in der Nähe ist wird vielleicht einmal nachgefragt oder auch zweimal, aber Nichts weltbewegend Schlimmes passiert. Doch sobald, und ich meine hier auf die Sekunde genau, ein Fremder um die Ecke kommt, wird sich auf den Boden geschmissen, gekreischt und gebockt als gäbe es kein Morgen. Das Sommerkind steigert sich dann gerne mal so hinein, dass man denkt wir hätten ihr etwas wirklich Furchtbares angetan. Sie gewürgt zum Beispiel!
Dass die Blicke dann oft nicht so mitfühlend sind, sollte klar sein.

Mitgefühl: ja, das gibt es manchmal. Meist sind das Eltern die auch so einen kleinen Wutzwerg Zuhause haben. Leider sind das meist nicht die, die um die Ecke kommen. Wenn man aber mal solche Menschen trifft, dann gibt einem das doch Kraft. Wem von uns ist noch nicht ein Stein vom Herzen gefallen, wenn andere Eltern ein keifendes Kind durch die Regale im Supermarkt schieben. Die Mitarbeiterin bei dm hat das sehr offen kund getan, als das Töchterchen an der Kasse auf dem Boden lag, weil sie noch warten musste bis der Herr Vater bezahlt hat: „gut, dass es anderen auch so geht.“

Einkaufen ist überhaupt so ein Ding, denn wenn sowieso viele Menschen vor Ort sind, kann sich so ein Wutausbruch auch ganz langsam anbahnen.
Letztens, an einem vollen Samstag, im hiesigen E-Center:

Das Sommerkind durfte am Eingang gleich in so einen Wagen klettern der vorne ein Rennauto angebaut hat. Besser ist es, habe ich gemeint und an die vielen Male zurückgedacht, in denen sie sprintender Weise mit dem Minieinkaufswagen nur knapp Leute verfehlt hat oder an denen sie kreischend aus dem Sitz des herkömmlichen Einkaufswagens hing. Mit helfen ablenken? Vielleicht zwei Minuten mal.
Die furchtbaren Rennwagenautos sind zwar blöd zu schieben, aber zumindest bleibt sie weitesgehend sitzen.
Auf ging es also, mit dem furchtbar monströsen Teil durch den Markt. Gleich am Eingang stehen momentan die Weihnachts-Ü-Eier. „Eiiiiiiiii!“
„Guck mal da sind die Bananen, wollen wir welche mitnehmen?“ Das Sommerkind fällt ausnahmsweise drauf rein und ich schiebe schnell weiter. Der Herr Vater schaut mich wissend an und verschwindet zum Tütchenregal um Leinsamen für sein Brot zu suchen.
Ich schiebe weiter, zum Glück kenne ich die Fallen wie den Spielbereich von dem es kein Wegkommen ohne Ausbruch gibt oder den Babyzubehörgang mit dem Spielzeug der eh gleich neben dem Spielbereich ist. Bei den Süßigkeiten ist das Sommerkind beruhigt, da wir Saltletten-Tiere mitnehmen. Welche Leckerei ist ihr momentan noch ziemlich egal. Zum Glück!
Irgendwo auf den Wegen durch die Regale, und nach mehrmaligem steckenbleiben bei Wendemanövern mit dem monströsen Wagen,  finden wir den Herrn Papa wieder. Spätestens beim Anfang der Kassen ist die Ruhe aber vorbei. „Helfen,“ verkündet das Kind lautstark und pellt sich aus dem Autositz. Ohoh…
Als wir am Band sind, hilft sie dem Papa ganz brav beim auflegen der Einkäufe. Wir rutschen immer weiter nach vorne, blockieren mit dem Riesenrenneinkaufswagen quasi den ganzen Weg neben dem Band. Hinter uns eine riesige Schlange Menschen. Alle Artikel sind jetzt aus dem Korb raus, wir aber noch nicht dran. Das Sommerkind fängt an zu quängeln.
Als wir fast an der Reihe sind, möchte kind auch was sehen und klettert auf das Lenkrad des Autos um sich am Band hochzuhangeln. Wir holen sie runter, auf den Arm möchte sie nicht. Jetzt geht’s los:
Töchterchen bockt, klettert immer wieder. Irgendwann nehme ich sie an die Hand. Sie lässt sich fallen, hängt am Arm und kreischt wie am Spieß. Ich knie mich runter, versuche zu erklären, aber das bringt jetzt eh Nichts, das weiß ich, und ist damit quasi nur Show für die Anwesenden.
Während der Herr Vater sich zum bezahlen bereit macht und ich alles schnell in den Wagen schmeiße, liegt das Sommerkind neben dem Auto am Boden und brüllt. Dann platzt noch der Katzenstreusack, als er den Waschmittelkarton streift. Überall graue Körner, ich versuche zu retten was zu retten ist. André fragt nach einem Kehrblech, aber der junge Hüpfer an der Kasse ist neu, steht auf und rennt weg um sich zu erkundigen. Ich schnappe mir Töchterchen die sich steif macht und weiterhin kreischt als würde ich ihr an die Gurgel wollen. Von sechs vollen Kassen glotzen die Leute. „Ich gehe schonmal zum Auto,“ sage ich zum Herrn Vater, der schnell nickt.
Mit dem kreischenden, rot angelaufenen Kind mit dem Kopf nach unten auf dem Arm suche ich mir einen Weg durch das Gedränge. Ein mitleidig schauender Mann an der Schiebtür, offenbar ein Vater, lässt mich eben vor, damit ich den Laden zügig verlassen kann.
Am Auto angekommen geht garnichts. Anschnallen schonmal garnicht! Ich lege Töchterchen auf die Rückbank und steige vorne ein. Jetzt bloß nicht anfassen oder ansprechen. Ich mache das Radio an. Die Autoscheiben beschlagen, kind steigert sich weiter rein und rollt über die Rücksitze.
Als André endlich auch kommt, der junge Hüpfer war noch eine ganze Weile verschwunden und die Schlange hinter dem Vater wurde immer länger und missmutiger, helfe ich ihm beim einpacken der Einkäufe. Dann sitzen wir beide im Auto.
Nach gefühlten Stunden beruhigt sich das Kind. Jetzt bloß nichts Falsches sagen. Ich biete an mich mit nach hinten zu setzen wenn sie sich anschnallen lässt. Das klappt zum Glück.
Kurz darauf bei uns Zuhause strahlt Töchterchen und ist bester Laune. Stimmungsschwankung lässt grüßen!

Und bei Euch so?

Liebe Grüße
Nicole

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6 Gedanken zu “Das Trotzkopfkind

  1. Ich weiß noch, als es bei uns damals losging, da sagte die Freundin noch: Stell dich jetzt für die nächsten Jahre auf eine Never ending story ein, denn das hält nun eine Weile an. Ich möchte behaupten, dass wir mit dem Minihelden noch recht viel Glück haben. Man kann gut mit ihm reden und sein Getrotze etwas runterfahren, aber man merkt, wie der Wille nach dem eigenen Ich von Jahr zu Jahr ausgeprägter wird. Ich habe neulich irgendwo gelesen, dass das mit dem 5. Geburtstag schlagartig aufhören soll. Na mal sehen ^^

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